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Emsländer fälschlich als Mordverdächtiger hingestellt - „Bild am Sonntag“ bedauert „Verwechslung bei der Fotorecherche“ – 21-Jähriger geht gegen Boulevardzeitung vorEmsländer fälschlich als Mordverdächtiger hingestellt - „Bild am Sonntag“ bedauert „Verwechslung bei der Fotorecherche“ – 21-Jähriger geht gegen Boulevardzeitung vorEmsländer fälschlich als Mordverdächtiger hingestellt - „Bild am Sonntag“ bedauert „Verwechslung bei der Fotorecherche“ – 21-Jähriger geht gegen Boulevardzeitung vorEmsländer fälschlich als Mordverdächtiger hingestellt - „Bild am Sonntag“ bedauert „Verwechslung bei der Fotorecherche“ – 21-Jähriger geht gegen Boulevardzeitung vorEmsländer fälschlich als Mordverdächtiger hingestellt - „Bild am Sonntag“ bedauert „Verwechslung bei der Fotorecherche“ – 21-Jähriger geht gegen Boulevardzeitung vor

22.08.2014 | 09:00 Uhr | ID: 5828

Ort: NDS / Twist / LK Emsland

Emsländer fälschlich als Mordverdächtiger hingestellt - „Bild am Sonntag“ bedauert „Verwechslung bei der Fotorecherche“ – 21-Jähriger geht gegen Boulevardzeitung vor

Die Neue Osnabrücker Zeitung schreibt in ihrer Freitagausgabe: Twist. Ein 21-jähriger Mann aus dem emsländischen Twist ist empört. Die Zeitung „Bild am Sonntag“ hat ein Foto veröffentlicht, das ihn als mutmaßlichen Mörder darstellt. Der Abgebildete wehrt sich: „Ich habe damit nichts zu tun.“ Er verlangt von der Boulevardzeitung eine Richtigstellung sowie eine finanzielle Entschädigung.
In ihrer jüngsten Ausgabe berichtete „Bild am Sonntag“ (BamS) über den Prozessauftakt gegen einen Mann, der von ihr als „Manga-Killer“ tituliert wird: Der 20-Jährige aus dem nordrhein-westfälischen Lohmar wird beschuldigt, im November 2013 nahe Berlin eine 14-jährige Internet-Bekanntschaft erstochen zu haben. Den Bericht ergänzt ein Foto, das nach BamS-Darstellung den mutmaßlichen Täter zeigt. Bei dem Abgebildeten handelt es sich jedoch um den 21-jährigen Emsländer. Er trägt den gleichen Vor- und Nachnamen wie der Angeklagte.
Bei dem Twister stand das Telefon am Sonntag nicht still; Mitteilungen bei Facebook häuften sich: Er stehe als Mörder in der „Bild“. „Ich war geschockt, habe an ein Fake geglaubt“, so der junge Mann, der sich daraufhin die Zeitung besorgte und darin ein Foto von sich fand, das aus seinem Facebook-Profil stammt. „Es ist nicht mein aktuelles Profilbild, sondern eines von 2012“, sagt er. Sein Profil ist offen, auch Angaben über Wohnort und Tätigkeit sind schnell ersichtlich. Spätestens hier wird klar, dass es sich nicht um den Angeklagten aus Nordrhein-Westfalen handeln kann.
Zwar verdeckte die Boulevardzeitung auf dem Foto die Augen des Emsländers mit einem schwarzen Balken, unkenntlich wurde er dadurch aber nicht: „Leute, die mich kennen, wussten sofort, dass ich es bin.“ Er ist nicht nur verärgert, sondern hat auch Angst: „Ich denke daran, was in Emden passiert ist.“ Dort hatte sich in März 2012 ein Mob versammelt, um sich an einem 17-Jährigen zu rächen, der öffentlich als Mordverdächtiger bezeichnet wurde. Später stellte er sich als unschuldig heraus.
Nach Worten des Meppener Rechtsanwalts Erwin Köhler, der den Twister vertritt, hat sein Mandant Anspruch auf eine Gegendarstellung, wie es das Hamburgische Pressegesetz vorsieht. Denn die BamS-Darstellung sei „objektiv falsch“. Zudem liege ein gravierender Eingriff in das Persönlichkeitsrecht vor. Der Emsländer werde fälschlich mit einer schweren Bluttat in Verbindung gebracht. „Strafrechtlich könnte das den Tatbestand der Beleidigung wie auch der Verleumdung erfüllen“, sagte Köhler. Wäre sein Mandant eine Person des öffentlichen Lebens, könnte er auf Schadenersatz im sechsstelligen Bereich spekulieren. Doch auch ohne Prominenten-Status gebe es Anspruch auf eine „spürbare Geldentschädigung“.
Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte ein Sprecher des Axel-Springer-Verlags, es handele sich um einen Fehler, der durch eine Verwechslung bei der Fotorecherche entstanden sei: „Die Redaktion bedauert diesen Fehler sehr. Selbstverständlich wird es auch eine Richtigstellung und Entschuldigung in der BamS geben.“ Kein Einzelfall, dass „Bild“ Fotos von Personen veröffentlicht, die mit der Berichterstattung nichts zu tun haben, ist kein Einzelfall. Das Internet-Portal Bildblog, das sich kritisch mit „Bild“, BamS und anderen Medien beschäftigt, verweist auf einen „Bild“-Bericht im Juni 2012 über den Mord an einer jungen Frau, in dem das angebliche Opfer abgebildet war. Tatsächlich zeigte das Foto eine andere Frau – die noch am Leben war.
Selbst im Gerichtssaal kommt es zu fatalen Verwechslungen: Im März dieses Jahres begann 26 Jahre nach dem Mord an der kleinen Christina vor dem Landgericht Osnabrück der Prozess gegen den Mörder des Mädchens. In ihrer Online-Ausgabe unterschrieb Bild.de das Foto mit dem Satz: „Thomas O. langweilt sich auf der Anklagebank und blickt auf die Uhr.“ Doch auf dem Bild zu sehen waren weder die Anklagebank noch Thomas O. Abgebildet war der Vater des ermordeten Mädchens, der als Nebenkläger an dem Prozess teilnahm. Bei Bild.de wurde er aber zum Mörder – immerhin mit verpixeltem Gesicht. Foto und Unterschrift wurden noch im Laufe des Tages kommentarlos ausgetauscht.



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